Ironman 2021


Begleitung der Schwimmer bei dem Ironman European Championship 2021 als Kajakfahrer

Noch ist es an diesem Sonntag, den 15.08.21 um 6 Uhr am Langener Waldsee relativ ruhig. Man kann erahnen, wo die Sonne aufgeht, in der Ferne sieht man den Nebel langsam von dem ca. 23° C warmen, ruhigem See gegen den dunklen Wald aufsteigen. Keine Welle im See ist zu sehen.

 

 

 

Die Ruhe trügt aber. Diesen Sonntag findet der Ironman European Championships 2021 statt. Dieses Jahr werden 1.500 Athleten in drei verschiedenen Starts in das große Abenteuer starten. Der erste Start ist für die Profiherren, gefolgt von erfahrenen und vor allem in der Vergangenheit bereits erfolgreichen Damen und als letztes, die zahlenmäßig größte Menge, die Altersklassen-Athleten.

 



 

Spätestens eine halbe Stunde später ist auch der letzte Wasservogel aus diesem Teil des Waldsees geflüchtet. Mit einem lauten Kanonenschlag als Startzeichen und den Ansagen des hr-Moderators stürzen sich die Athleten der jeweiligen Startklasse in das Wasser und „durchpflügen“ die 3,8 km lange Schwimmstrecke, die durch einen kurzen Landgang unterbrochen ist. Die Zuschauer, durch Corona-bedingt weniger als 2019, feuern die Athleten an. Eine Atmosphäre zum Gänsehaut bekommen. Nun wird es auch bei uns ernst: Wir begleiten die Schwimmer wieder als Kajakfahrer. Jeder Start bekommt einen Kajakfahrer als Vorfahrer, damit die Schwimmer die Orientierung nicht so leicht verlieren. Die anderen Kajakfahrer – neben natürlich auch vielen Ehrenamtlichen von Wasserwacht und DLRG – achten auf Probleme der Schwimmer. Eine weitere Aufgabe ist es, die Schwimmer, die durch die aufgehende Sonne geblendet werden und vom „rechten Weg“ abweichen, wieder einzufangen und auf die richtige Spur zubringen.

 


 

Nach ca. 2 Stunden hat der letzte Ironman-Schwimmer den Badesee verlassen. Als Athlet ist die erste Disziplin erfolgreich absolviert worden. Als nächstes stehen die 185 km lange Radstrecke, gefolgt von den 42,2 Kilometer Laufen auf dem Programm. Nach der Zeit sind dann auch die Zuschauer und die ganzen Helfer auf dem Wasser und dem Land auf dem Gelände des Badesees auf dem Rückzug, so dass dann wieder die Wasservögel kommen können.

S.N.

 

Vorderrhein

 

Wir waren noch nie am Vorderrhein! Es hat sich halt nicht ergeben. Somit war ich schon gespannt, was für eine Gegend und – für Paddler wichtig – was für ein Charakter der Vorderrhein hat. Sicher, man kann sich informieren, aber selbst den Bach „zu erfahren“, ist halt was anderes.
Nachdem wir uns am Lech „eingefahren“ haben, sind wir von Österreich in die Schweiz, in die Glarner Alpen, in den Kanton Graubünden gefahren. Der Vorderrhein bildet nach dem Zusammenfluss mit dem Hinterrhein in der Stadt Reichenau den Rhein. Wir trafen uns mit anderen Paddlern von dem HKCW in Trun, das in etwa in der Mitte des Vorderrheins, 35 km nach der Quelle, liegt.
Am ersten Tag wollen wir die „Hausstrecke“ fahren, von Sumvitg Cumpadials bis zum Campingplatz. Bei „mäßigem“ Wasser – wie uns berichtet wurde – gab es genügend Zeit, um die jeweiligen Steine zu umfahren, die in den regelmäßigen Abstanden vorkommenden Schwallstrecken standen. Meist waren breite Kiesbänke auf beiden Seiten des Flusses vorhanden. Bild 1
Eine schöne Paddelstrecke, umringt mit 3.000 m hohen schnellbedeckten Bergen, die jedoch beim ersten Mal als ich sie befuhr, nicht so richtig gewürdigt wurde!

 

Da dieser Teil des Flusses Kraftwerkgesteuert ist, konnte der Wasserstand am nächsten Tag wieder ganz anders aussehen. In der Urlaubszeit ist die Gruppe dreimal die gleiche Strecke gefahren, immer mit etwas mehr Wasser.


Eine andere Strecke, die Fahrtechnisch einen anderen Charakter hatte, war die Befahrung der Flimser-Schlucht, die man in zwei Etappen paddeln konnte. Für die erste Etappe ließen wir die Autos in Ilanz am Bahnhof stehen. Auf den ersten Flusskilometern wechselten sich kräftige Kiesbankschwelle mit immer wieder vorkommenden Passagen hohen und wuchtigen Wellen ab. Die kräftigen Walzen und Löcher könnte man meist umfahren oder zu mindestens in die nicht so kräftigen ausweichen. Die wenigen großen Verblockungen sah man frühzeitig und konnte sie einfach „um paddeln“. Zwischen den ganzen Passagen gab es aber auch ruhigere Stellen. Bild 5, Bild 4


Nach einigen Kilometer floss der Vorderrhein langsam in ein Waldtal ein. Das Flussbett wurde enger und die Ufer steiler. Die Flimser-Schlucht begann, die ersten weißen Felswände aus Kalkstein tauchten auf. Diese Rheinschlucht entstand vor etwa 10.000 Jahren, als über 10 Milliarden Kubikmeter Fels ins Tal stürzte und das Flusstal begrub. Der daraufhin aufgestaute See konnte allmählich wieder abfließen. Der Vorderrhein fraß sich tief in das weiche Kalkgestein herein und hinterließ eine faszinierende Schlucht.
Eine Schlüsselstelle ist das „Schwarze Loch“, eine Stelle, an der das Wasser aus dem weichen Kalkstein tiefe Löcher erodierende hat. Der Fluss muss eine rechte Biegung um die Felsformation machen, bei hohem Wasserstand wird das Wasser in die mannshohen Löcher und an die Wand herangepresst. Etwas Presswasser bildete sich links an der Felswand. Bei unserem Wasserstand konnte man dies aber rechts umfahren. Bild 2 und 3

In Versam wurden mit Hilfe der Schweizer Bahn die Autos wieder aus Ilanz geholt. Die Bahn fährt stündlich diese imposante Strecke am Vorderrhein entlang. Die Autofahrt wieder zurück nach Versam dauerte wesentlich länger als mit der Bahn, da die Straße sich zwischen den Bergen hoch oben halb des Flusses entlang schlängelte. Eine beeindruckende Fahrt.

Die darauffolgende Strecke, die wir an einem anderen Tag paddelten, war von Versam nach Reichenau.
Die Landschaft zeigte weiterhin im oberen Teil die imposante Schlucht aus Kalkgestein. Wassertechnisch zeigte der Abschnitt immer weniger Katarakte, dagegen einige, teilweise ziemlich große, Verschneidungen mit entsprechenden Pilzen.  Bild 6


Die Schlucht wechselte sich auf den letzten Teil der Strecke mit einem engen Waldtal ab, bevor der Vorderrhein nach Reichenau gelangte. Rechts bei einer Raftstation stiegen wir aus. In Sichtweite befand sich links der Hinterrhein, der durch den Zufluss den Rhein bildet.
Auch diesen Teil konnten wir mit der Schweizer Bahn als shuttle von Reichenau nach Versam stündlich benutzen.

Bei fast immer schönem, tagsüber zwischen 25 – 30°C warmen Wetter, eine beeindruckende Gegend, einen gepflegten Zeltplatz und - für den Paddler wichtig - unterschiedliche, gute Wasserstände, lässt sich somit wohl kaum etwas gegen den grandiosen Paddelurlaub sagen. Wir werden wiederkommen, in diese wunderschöne Landschaft.

S. N